Erinnerungen


Nach Kriegsende schloss ich mein Studium in München/Pasing mit dem 1. Staatsexamen ab und trat in den Schuldienst ein.

Zur damaligen Zeit wohnte ich in Pasing und erhielt eine Anstellung als Lehrerin in Gauting. Morgens musste ich 25 Minuten zum Bahnhof laufen, anschließend mit dem Zug nach Gauting fahren. Nach nicht ganz einem Jahr wurde ich jedoch nach Söcking geschickt, an eine bombengeschädigte Landschule in Bayern.

Um 7 Uhr morgens kam der Zug in Starnberg an. Beim Bäcker Meier erwarb ich zwei "schwarze Weckerl", meinen Tagesproviant, und erklomm den "Alten Berg". Am Nachmittag marschierte ich sofort nach Traubing zum Schulrat Gamringer und klagte ihm mein Leid: "Täglich 13 km Fußmarsch! Einen Bus gibt es nicht. Da mache ich nicht mit!"   Er tröstete mich und meinte: "Es handelt sich nur um 14 Tage. Außerdem bekommt Söcking bestimmt ein neues Schulhaus."
Aus den zwei Wochen wurden 39 Jahre.

Zu den wenigen Einheimischen in Söcking waren zahlreiche Fremde aus München und anderen Städten gekommen. Das Schulzimmer war überfüllt. "Funkhaus" und "Mütterheim" waren mit Flüchtlingen belegt worden. Eine große Zahl von Kindern musste unterrichtet werden.

Die damalige Schulleiterin war Fräulein Isolde Steininger, später Frau Nachreiner. Sie erledigte alle Arbeiten zu Hause, da es kein Büro gab. Im Schulhaus befanden sich im Parterre zwei Schulzimmer; im Keller gab es einen Raum, die provisorische Schulküche mit einem Zimmerofen. Dort, wo sich heute die Mittagsbetreuung befindet, kochte ich mit meinen Schülerinnen häufig einen Grießbrei.
Außerdem gab es da auch die einzige Toilette mit defekter Tür, sodass ich immer für "Bewachung" sorgen musste.
Im Vorderhaus des Schulhauses befand sich die Gemeindekanzlei.

An Heften, Papier und Schreibzeug mangelte es noch, aber wir kamen einigermaßen zurecht.
Nach der Währungsreform 1948 gab es wieder Geld das einen Wert hatte, jedoch war außer Lebensmitteln und gehorteten Waren wenig angeboten. Für die Kinder gab es Schulspeisung; die Lehrer mussten zusehen.
Mittlerweile hatte ich in Söcking eine Wohnung gefunden. Für die vielen Kinder reichten unsere Schulräume nicht mehr aus. Wir zogen um in den Saal des ehemaligen Wirtshauses "Schalper". Heute befindet sich dort die Apotheke. Ich unterrichtete damals die 1. und 2. Klasse. Im Winter kam der Hausmeister Pettinger mehrmals zum Nachheizen. Vor dem "Schulraum" waren zwei hölzerne Aborthäuschen aufgestellt. Außerdem erklärte die Wirtin, Frau Schalper, des Öfteren: "Ich stelle das Hühnerfutter aufs Fensterbrett. Um 11 Uhr soll gefüttert werden."
Von 8 Uhr bis 18 Uhr war der Saal abwechselnd von allen Klassen (1.-7. Kl.) belegt.
Als die Anzahl der Kinder immer größer wurde, siedelte ich mit den Schülern meiner zwei Klassen ins Nebenzimmer des Gasthofs "Dietrich" um. Dort roch es immer so gut nach Essen. Frau Obermeier, die Großmutter des Fritz Obermeier, erbarmte sich: Wir durften in ihrer Küche im 1. Stock unsere sehr einfachen Speisen zubereiten. Auch brauchten wir das Geschirr nicht mehr von daheim mitschleppen.

Nach vielen Jahren war 1967 das schöne neue Schulhaus fertig. Es bot genügend Platz auch für die neuen Schüler aus Perchting, Hadorf und Landstetten.

Nun hatten wir acht Schulzimmer, einen Handarbeits- und Werkraum, eine Schulküche, eine Aula, Räume für das Direktorat, eine Turnhalle, acht Toiletten und einen großen Schulhof.
Es begannen angenehme Jahre mit netten Schülern und Schulleitern nach Wunsch: den Herren Fritz, Tensi, Erhardt und Wegmann. Das Schuljahr 1984/85 war mein letztes.
 
Irmengard Frank, Juli 2003   (verstorben im Juni 2013 in Söcking)
 
Anmerkung:
Der Nachfolger von Herrn Wegmann war 15 Jahre lang Herr Anton Renner. Im August 2002 trat er in den Ruhestand.

Ab September 2002 leitete Frau Gabriele Engel die Schule. Sie wechselte zum 1. Januar 2013 als Schulrätin in das Staatliche Schulamt nach Fürstenfeldbruck.

Seitdem ist Frau Petra Fromm Schulleiterin an der Grundschule Söcking in Starnberg!